Kreuzzüge in der Geschichte

Kreuzzug, Inquisition, Hexenverfolgung

Hexenverfahren und Folter

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde im Hexenverfahren das alte Anklageverfahren der reinen Denunziation durch das Inquisitionsverfahren verdrängt. Die weltlichen Gerichte begannen zwar nach dem Vorbild der geistlichen Gerichte einzuschreiten, aber das alte Beweissystem, indem Zeugenaussagen zur Urteilsfindung genügt hatten, wurde aufgegeben. Nun musste das Geständnis der Angeklagten zur Schuldigsprechung hinzukommen, ohne Geständnis konnte eine Hexe nicht mehr hingerichtet werden. Was scheinbar wie ein Fortschritt aussieht, war nicht wirklich ein, da die Folter unentbehrliches Mittel zur Erzielung eines Geständnisses wurde. Der übliche Fortgang war: Denunziert, verhaftet, gefoltert, verbrannt. Nur selten kam es zu Freisprüchen.
Auch Standhaft bleiben unter der Folter bedeutete kein Entkommen für das Opfer, Schweigen galt als Geständnis: "Der Hexerei überführt durch Schweigen der Angeklagten." Eine weitere Ungerechtigkeit war, dass der Aussage eines Mannes mehr Gewicht beigemessen wurde, als der Aussage einer oder auch mehrerer Frauen.

Bei Rechtsfällen, die mit Glaubensdingen zu tun hatten, wurde die Folter zur allgemeinen Begleiterscheinung, während in der vorchristlichen Rechtsprechung der Gebrauch der Folter abgelehnt wurde. Durch die Folter wurde jeder Beweis der Unschuld schier unmöglich gemacht.
Wie schlimm die Folter sein könnte, wurde von den Betroffenen zumeist erst unterschätzt. So soll eine Frau, die 1637 wegen Vorwürfen der Hexerei verhaftet worden war, zunächst noch gelacht haben, als man ihr am ersten Tag ihres Prozesses vorgeworfen hatte, sie hätte Umgang mit dem Teufel gehabt. Sie sagte, sie würde lieber sterben, als sich selbst solcher Dinge zu bezichtigen; sie hätte mit ihrem Mann und ihren acht Kindern zwanzig Jahre ein unbescholtenes Leben geführt. Drei Wochen später starb diese Frau unter der Folter (was allerdings nicht das Ziel war), nachdem sie eingestanden hatte, dass sie den Teufel liebte und auf seinen Wunsch eines ihrer Kinder getötet hätte. Vor ihrem Tod benannte sie noch über 40 Nachbarinnen und Nachbarn als Satansanbeter und Satansanbeterinnen. Damit war auch in diesem Prozess ein wichtiger Bestandteil eines jeden Hexenverfahrens erfüllt worden, nämlich die Ermittlungen von möglichen Komplizinnen und Komplizen. Das löste natürlich eine Kettenreaktion aus.

Friedrich von Spee, Jesuit und Beichtvater in solchen Hexenprozessen, arbeitete in einem Gefängnis, in dem der Hexerei verdächtigte saßen. Er erkannte: "Jeder Widerruf ist vergeblich. Wenn sie nicht bekennt, wird die Folter wiederholt, zweimal, dreimal, viermal. Bei "außergewöhnlichen" Verbrechen wird die Folter mit grenzenloser Dauer, Härte und Häufigkeit eingesetzt. ... Eine Hexe kann sich niemals reinwaschen. Die Untersuchungsbeamten werden sich beschämt fühlen, wenn sie eine Frau, die einmal verhaftet und in Ketten gelegt war, freilassen müssten; sie muss schuldig sein, ob zu Recht oder zu Unrecht."

Auch vor Kindern schreckten die Hexenkommissare nicht zurück. Bei den Untersuchungen wurden Kinder durch „geschickte Behandlung“ zu einer Aussage gegen ihre Mütter gebracht. Man schreckte auch nicht davor, Kinder zu foltern, was in anderen Prozessen nicht zulässig gewesen wäre.
Ein Widerruf des Geständnisses war nach der Folter nicht möglich. Wer es dennoch versuchte, wurde eben erneut gefoltert, um ihn so vom Widerruf zu reinigen und erneut das „wahre Geständnis“ zu erpressen. Oder das Gericht ging davon aus, dass das Geständnis unter Folter wahr ist und der Widerruf ein Meineid. Damit wurde das Opfer für Rückfällig erklärt und galt als unbußfertig.
Auch Anzeichen von Angst galten als Schuldbeweis.
Wenn ein Opfer unter der Folter starb, war dies ein eindeutiger Beweis, für die Schuld des Opfers, denn der Teufel hat ihm dann den Hals umgedreht.
Um Willfähigkeit und Geständnisse zu erzielen, durften bei Hexenuntersuchungen auch falsche Gnadenversprechen gegeben werden. Es war aber nicht nötig, ein solches Versprechen, dass einer angeklagten Hexe gegeben worden war, auch wirklich zu halten. Selbst wenn die Angeklagten alles gestanden und der Ketzerei abschworen, wurden sie verbrannt. Zum einen wegen des „zeitlichen Schadens“, den sie verursacht hatten und da ihr Geständnis wertlos gewesen ist, denn das Geständnis kam nicht aus wahrer Reue zu Stande, sondern aus Angst vor dem Tode. Das Geständnis war nur wertvoll genug, um die Opfer zum Tode zu verurteilen.

Allerdings versuchte man durchaus auch, den Eindruck zu erwecken, dass die Geständnisse freiwillig gewesen waren, häufig finden sich in Protokollen aus Hexenverfahren die Wendung „sinc tortura et extra locum torturae“ (ohne Folter und außerhalb der Folterkammer). Dies bedeutete aber nicht, dass das Opfer nicht gefoltert wurde, sondern dass die Opfer nach der Folter in einen anderen Raum gebracht wurden. Dort wurden sie vor die Wahl gestellt, ein „freies Geständnis“ abzulegen oder in die Folterkammer zurück zu kehren.
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