Kreuzzüge in der Geschichte

Kreuzzug, Inquisition, Hexenverfolgung

Johann Keplers Mutter Katharina unter Hexenverdacht

Der Astronom und Astrologe Johann Kepler musste beträchtliche finanzielle Mittel und viel Zeit aufwenden, um seine Mutter, Katharina Kepler, vom Vorwurf der Hexerei zu befreien. Im Jahre 1615 wird sie in Leonberg erstmals beschuldigt, erst am 28. September 1621 erst folgt die endgültige Freilassung. Eine ungewöhnlich lange Prozessdauer und ein ungewöhnliches Urteil. Sehr wahrscheinlich wäre sie, ohne das energische Auftreten ihres Sohnes und dessen Einfluss als Mathematiker und Astronom seiner Kaiserlichen Majestät, noch 1615/16 als Hexe verbrannt worden.

Katharina Kepler entsprach den damals herrschenden Vorstellungen einer Hexe: Klein, mager, von schwärzlich-brauner Gesichtsfarbe, klatschsüchtig und zänkisch wurde sie beschrieben. Zusätzlich galt sie als naturheilkundig. In ihrer Anklageschrift sind alle Unglücksfalle aufgezählt, die den Dorfbewohnern von Leonberg in den letzten Jahren widerfahren waren: Sie habe das Vieh behext, einen Vater zweier Kinder getötet, sich als Kupplerin des Teufels betätigt und diesem eine junge Frau aus dem Orte zugeführt, die Lähmung des Dorfschneiders verursacht, um nur einige Punkte zu nennen. Natürlich kamen noch die üblichen Vorwürfe der Zauberei (sie sei durch geschlossene Türen gegangen) und der Gotteslästerung (Infragestellung der Wiederauferstehung) dazu.

Zur Hexenanklage kam es aufgrund ihrer Heiltätigkeit: Die Frau des Glasers Reinhold aus Leonberg wurde von ihrem Bruder, dem Leibbarbier des Prinzen Achilles von Württemberg, erfolglos wegen Unterleibschmerzen behandelt. Dieser erklärte daraufhin, es müsse sich um eine angehexte Krankheit handeln, die nur vom Urheber der Zauberei zu heilen sei. Frau Reinhold wandte sich nun mit einem entsprechendem Ansinnen an Katharina Kepler. Diese tat das einzig richtige und erhob Beleidigungsklage. Hätte sie den Vorwurf auf sich beruhen lassen, wäre diese Tatsache in den späteren Verfahren als belastendes Indiz eingegangen und hätte die Anwendung der Folter gerechtfertigt. Streitbar wie sie war, legte sie sich allerdings mit dem Richter an, der die Beleidigungsklage wegen Missachtung des Gerichts niederschlug und nun selber die Bemühungen Frau Reinholds unterstützte, gegen Katharina Kepler ein Hexereiverfahren anzustrengen. Die Prozessprotokolle bereits hingerichteten Hexen, fanden nur die Anmerkungen, das eine Frau nach der Keplerin befragt worden war, sie wurde aber nicht als Mitschuldige benannt.

Johann Kepler griff sofort in das Verfahren ein. Er ließ sich, mit Hinweis auf seine Stellung als Professor und Kaiserlicher Astronom, die Prozessunterlagen schicken; daraufhin wurde das Verfahren offiziell ausgesetzt, die Suche nach Belastungsmaterial gegen seine Mutter ging aber weiter. Johann lud seine Mutter zu sich nach Linz ein, ihre Reise wurde als Flucht und damit als Schuldbekenntnis gewertet. Allerdings wäre ihr Bleiben in Leonberg auch als belastendes Indiz gedeutet worden, da sie dann ja vom Teufel festgehalten worden wäre. Bis 1620 schleppte sich das Verfahren hin: Neue Verdächtigungen wurden gefunden und mit Eingaben von Johann Kepler beantwortet.

1620 erfolgte die plötzliche Verhaftung von Katharina Kepler und in einem für die Hexenprozesse typischen Schnellverfahren sollte der Fall zu Ende gebracht werden. Es wurde ein Foltertermin angesetzt und Johann Kepler eilte von Linz nach Leonberg, um seine Mutter zu schützen. Für ihn kam die Anklageerhebung keineswegs überraschend: Der zuständige Vogt versuchte schon seit Jahren vergeblich, sich Denunziationen über Katharina Kepler zu beschaffen. Das bot allerdings einen guten Ansatzpunkt für die Verteidigung. Die Stellung Johann Keplers und sein Ruf als Geheimwissenschaftler und Sterndeuter war für die Verteidigung seiner Mutter eine große Hilfe. Ohne seinen geheimnisvoll umwitterten Ruf und sein gutes Ansehen als Astrologe auch in der Bevölkerung, hätte er es sich ansonsten nicht wagen können, seine Mutter zu verteidigen. Normalerweise gerieten die Verteidiger von Hexen in den Ruf, Zauberer und Hexenmeister zu sein und bekamen selber den Prozess gemacht.

Johann Kepler erreichte den Beschluss, dass die gesamten Prozessakten der juristischen Fakultät der Universität Tübingen zwecks Erstellung eines Gutachtens vorzulegen sei. Diese fasste einen im Vergleich zu der sonst herrschenden Praxis zurückhaltenden, geradezu menschlichen Entschluss, nämlich der Angeklagten die Folterinstrumente zu zeigen, sie aber nicht zu foltern. Wenn sie dann immer noch standhaft bliebe, soll sie frei sein. Diese Probe bestand Katharina Kepler, sie musste allerdings die Kosten des Verfahrens tragen.
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