Kinderkreuzzug von 1212


Die Kinderkreuzzüge begannen, so Stadtchronisten, im Juli 1212. Damals sollen ca. 7000 bis 25.000 Kinder, aber auch Erwachsene, von Köln und vom französischen Lothringen aus ins Heilige Land aufgebrochen sein. Die Kölner Gruppe soll von einem charismatischen Kölner Jungen namens Nikolaus und die französische Gruppe von einem Jungen namens Stephan angeführt worden sein. Stephan, ein Hirtenjunge, hatte den anderern erzählt, ihm sei Jesus in der Gestalt eines Pilgers erschienen. Jesus habe ihn dann aufgefordert, Kinder nach Jerusalem zu führen. Der Zug soll immer mehr Menschen mitgerissen haben. Es wird auch berichtet, dass von der Geistlichkeit das Vorhaben abgelehnt worden ist. Welchem Schicksal diese Kinder entgegen gezogen sind, ist nicht genau bekannt bzw. bis heute strittig. Wahrscheinlich landeten viele der Teilnehmer an diesen Kinderkreuzzug in Gefangenschaft, wurden erschlagen oder in die Sklaverei verschleppt. Aber schon die Reise durch Europa überlebten viele nicht, da sie unterwegs an Hunger und Kälte starben. Viele Überlebenden landeten auf den nordafrikanischen Sklavenmärkten.

 

Der französische und der Kölner Kinderkreuzzug entwickelten sich unabhängig von einander. Die deutschen Kinder wußten von dem Kreuzzug der französischhen Kinder nichts. Der französische Kinderkreuzzug soll angeblich auch relativ schnell vom französischen König Philipp aufgelöst worden sein, es gibt aber auch Chronistien, die berichten, dass die Kinder es bis nach Marseille geschafft haben sollen.

 

Nikolaus soll den Kindern und den anderen, die sich um ihn geschart hatten, ein Wunder versprochen haben. Das Meer würde sich vor den Zug teilen und so würden sie trockenen Fußes in das Heilige Land gelangen. Doch das Wunder blieb aus. Angeblich war Nikolaus ein gerade erst einmal 9- bis 10jähriger Junge. Über seine Herkunft ist nichts genaues bekannt. Einige der zeitgenössigen Chronisten hielten ihn für einen jungen Adligen.

 

Ein Teil ging in den Häfen von Marseille (französischer Kinderkreuzzug), Genua oder Brindisi an Bord von Schiffen, sollen aber von skrupellosen Kapitänen als Sklaven verkauft worden sein. Ein anderer Teil gelangte nach Rom, dort wurde ihnen klar, dass die Obrigkeit ihr Vorhaben ablehnte. Daraufhin soll ein Teil in Italien geblieben sein, ein Teil über die Alpen zurückgekehrt sein. Von Anfang an war das Unternehmen Kinderkreuzzug ein Himmelfahrtskommando.

 

Die Quellenlage zu den Kinderkreuzzügen ist allerdings sehr dürftig. Ob die Kinderkreuzzüge stattgefunden haben, ist strittig. Zumindest über den deutschen Kinderkreuzzug gibt es glaubwürdige zeitgenössische Quellen. So gab es um 1216 jemanden in Köln, der die Geschichte von dem Kinderkreuzzug vermutlich als Augenzeuge niederschrieb. Der Chronist Ogerius Panis berichtete später, dass am 25. August 1212 rund 7000 Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in die italienische Hafenstadt Genua eingezogen waren. Bereits einen Tag später, sollen viele von ihnen enttäuscht die Stadt verlassen haben. Wahrscheinlich weil sich das Meer nicht vor ihnen teilten, so wie es Nikolaus ja versprochen hatte, damit sie trockenen Fusses ins Heilige Land gelangen konnten.

 

Ein Teil der Kinder soll es bis nach Rom geschafft haben und dort Papst Innozenz III. (1161-1216) um die Lösung des Kreuzfahrtgelübdes gebeten haben.

 

Ob die Kinderkreuzzüge nun eine kollektive Erfindung waren, oder auf Tatsachen beruhen. Auf jeden Fall setzte die Legendenbildung schon sehr frühzeitig ein. Eine Legende, die sich um die Kinderkreuzzüge rankt, ist die des Rattenfänger von Hameln. Der Rattenfänger von Hameln lockt erst die Ratten aus der Stadt und als im die ausgemachte Bezahlung verweigert wird, lockt er zur Strafe die Kinder aus Hameln heraus.

 

Eins der Kinder, dass statt per Schiff das Heilige Land erreichten, und das versklavt wurde, kehrte 18 Jahre später zurück nach Europa. Dort berichtete er seinen Zeitgenossen von dem Schicksal der anderen Kinder. Er berichtete, dass ein Hugo der Eiserner und ein Wilhelm, das Schwein, ihnen versprochen hatten, sie nach Jerusalem zu bringen. Insgesamt sieben Schiffe sollen es gewesen sein. Sie waren dann in Algerien und Alexandria als Sklaven verkauft worden. Von den sieben Schiffen kenterten zwei vor Sardinien, alle Schiffspassagiere starben. Auf der St. Pietro erinnert heute noch eine Kapelle an die ertrunkenen Kinder. Über ihn berichtet der zeitgenössische Chronist Alberich de Trosfontaines.

 

Die Bezeichnung Kreuzzug ist eine falsche Bezeichnung für diese Bewegungen gewesen. Denn ein Kreuzzug konnte nur durch den Papst in Absprache mit König oder Kaiser ausgerufen werden. Auch trugen die Kinder kaum oder keine Waffen bei sich. Sie wollten das Heilige Land friedlich zurückerobern.

Von Bertold Brecht (1898-1956) gibt es ein Gedicht oder eine Ballade mit dem Titel Kinderkreuzzug 1939. Es beschäftigt sich mit den Schrecken des 2. Weltkrieges. Entstanden ist Kinderkreuzzug 1939 im Jahre 1941 und ist Teil der 1949 erschienen Kalendergeschichten. von Bertold Brecht.

Sachbuch über den Kinderkreuzzug: Im Namen des Herrn. Der Kreuzzug der ungeliebten Kinder Es ist das erste Sachbuch, dass sich mit dem Thema Kinderkreuzzug beschäftigt.

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