Kreuzzüge in der Geschichte

Kreuzzug, Inquisition, Hexenverfolgung

Erster Kreuzzug

Dauer Erster Kreuzzug: 1096 bis 1099
Ziele: Im Nahen Osten.
Ausgang: Jerusalem wird durch das christliche Heer eingenommen.
Folgen: Jerusalem bleibt 88 Jahre unter christlicher Herrschaft. Die ersten Kreuzfahrerstaaten entstanden.

Erster Kreuzzug - Belagerung Jerusalem 1099. Mittelalterliches Gemälde.
Erster Kreuzzug - Belagerung Jerusalem 1099.
Der 1. Kreuzzug markierte den Beginn einer Reihe von Kriegen, die aus höchst unterschiedlichen Gründen geführt wurden. Die Ziele des 1. Kreuzzugs lagen dabei noch im Heiligen Land, später wurden auch militärische Aktionen mit anderen Zielgebieten so benannt.

Der Erste Kreuzzug begann im Jahre 1096 und dauerte bis 1099. Bei diesem 1. Kreuzzug wurde das eigentliche Ziel auch erreicht, die Rückeroberung Palästinas, so wurde Jerusalem durch ein christliches Heer eingenommen und blieb auch 88 Jahre unter christlicher Herrschaft.

Nach dem Palästina und auch die heilige Stadt Jerusalem einige hundert Jahre zuvor unter islamische Herrschaft geraten war, rief Papst Urban II. Im Jahr 1095 zum ersten Kreuzzug auf.

Vorgeschichte 1. Kreuzzug

Palästina war lange Zeit Teil des Oströmischen Reiches. Im Jahr 637 wurde Palästina dann im Rahmen der Islamischen Expansion von den Arabern eingenommen. Die Herrschaft über Jerusalem wechselte in der Folgezeit. Im Jahr 1071 fiel Jerusalem dann an die sunnitischen Seldschuken. 1076 kam es dann zu Unruhen und Straßenkämpfen in der Stadt zwischen den verfeindeten Sunniten und Schiiten. In den christlichen Vierteln blieb es allerdings eher ruhig. Die Kämpfe und Kriege zwischen Seldschuken und Byzanz machten nun aber christliche Pilgerfahrten ins Heilige Land so gut wie unmöglich. Immerhin blieb die Grabeskirche auch unter türkischer Herrschaft Christen zugänglich, es gab aber ein Verbot beschädigte Kirchen zu reparieren.

1074 - Erste Kreuzzugsidee
Bereits Papst Gregor VII. plante sich an die Spitze eines Kriegszuges zu setzen mit dem Ziel Jerusalem zu erobern. Der Plan von 1074 hatte das Ziel die Wirkungsstätte Christi wieder dem christlichen Abendland zurückzugewinnen. Innere Konflikte wie der Investiturstreit verhinderten aber das Papst Gregor VII. Sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte.

In der Folge sandte der byzantinische (bzw. oströmische) Kaiser Alexios I. Komnenos mehrere Hilfegesuche an das lateinische Europa. Sein Reich wurde immer stärker von den türkischen Seldschuken bedroht. Bereits 1071 hatten diese Anatolien und Antiochia als Folge der Schlacht von Manzikert erobert. Byzanz war von inneren wie auch äußeren Krisen geschwächt. So fehlten die Mittel die Mittel diese Gebiete zurückzuerobern. Um das christliche Abendland und dessen Kräfte zu mobilisieren schreckte Byzanz auch nicht davor zurück, Berichte über die Entweihung von heiligen Stätten reichlich auszuschmücken und zu dramatisieren. Auch wurde die Lage der im Heiligen Land lebenden Christen wohl stark dramatisiert. Zu diesem Zeitpunkt durften Christen auch unter muslimischer Herrschaft ihre Religion weiter ausüben. Allerdings war es Pilgern kaum noch möglich Palästina zu erreichen. Alexios I. bot im Laufe seine Bemühungen auch an die römisch-katholische mit der orthodoxen Ostkirche wieder zu vereinigen.

Synode von Clermont - Kreuzzug-Aufruf

1095 - Synode von Clermont - Deus lo vult!
Am 18. November 1095 begann dann in der Kathedrale der französischen Stadt Clermont unter Vorsitz von Papst Urban II. eine Synode. Diese dauerte bis zum 28. November des selben Jahres. An der Synode von Clermont nahmen 182 Kardinäle, Bischöfe und Äbte sowohl aus Italien, Spanien als auch Frankreich teil. Zugegen war außerdem eine Gesandtschaft aus Byzanz.

Bereits im Vorfeld gab es Hinweise darauf, dass Papst Urban II. plante auf der Synode ein Ereignis von großer Bedeutung für die Christenheit verkünden zu wollen. Und so strömten tausende Menschen in Clermont zusammen, so dass die Verkündung schließlich vor dem Osttor der Stadt stattfinden musste.

Am 27. November 1095 war es dann so weit. Papst Urban trat vor die große und erwartungsvolle Masse an Menschen. Der Papst nutzte die Gelegenheit und hielt eine stark dramatisierende Rede in der es über die Leiden der Christenheit im Osten ging. Daher sei es eine Notwendigkeit die Heiligen Stätten zu befreien. Die Rede wurde begeistert aufgenommen.

Über den genauen Wortlaut der Papst-Rede in Clermont herrscht Unklarheit, den verschiedene Chronisten überlieferten unterschiedliches. Daher ist nicht ganz klar, ob Papst Urban II. bereits in Clermont das spätere Motto der Kreuzzüge Deus lo vult! (Gott will es!) prägte.

Gänzlich unvorbereitet ging Papst und Obrigkeit nicht in den Auftritt. So beendete der Papst seine Rede und Adhemar de Montell, Bischof von Le Puy kniete nieder und bat als Erster um die Erlaubnis, ziehen zu dürfen. Der Auftritt des Bischofs vor dem Papst wahr zuvor besprochen worden und alles andere als eine spontane Reaktion auf die Rede gewesen. Dem Bischof folgten weitere Menschen, die für die Befreiung Jerusalems kämpfen wollten.

Weitere Synoden mit Aufrufen folgen

Papst Urban II. beließ es nicht bei der einen Synode in Clermont. Es folgten weitere in Tours und Rouen. Auch hier wurde der Aufruf zum Kreuzzug verbreitet. Weitere Unterstützung erhielt die erste Kreuzzugs Idee durch Wanderprediger der Kirche. Und so folgten viele einfache Menschen aber auch Abenteurer, Verbrecher wie auch einfach Bauern dem Kreuzzugs-Aufruf.

Und wer noch schwankte bekam Versprechungen. So wurde den Kampfwilligen der Ablass für ihre Sünden zugesagt. Und wer den Ruf folgte, dem wurde nie verwelkender Ruhm im Himmelreich versprochen.

Eine spontane Idee des Papstes war der Aufruf zum ersten Kreuzzug nicht. Das ganze war sorgfältig und langfristig geplant. Vordergründig ging es um die Rückeroberung des Heiligen Landes und die Befreiung der dort lebenden Christen. Gleichzeitig diente dieser Aufruf und gemeinsame Kampf auch als geschickt initiiertes machtpolitisches Instrument in einem damals zersplitterten und von Machtkämpfen erschütterten Europa. Auch die erhoffte Wiedervereinigung mit der Ostkirche war für Papst Urban II. ein lohnendes Ziel. Das der Aufruf zum Kreuzzug und zum gemeinsamen Handeln zudem vom Papst ausging konnte die Kirche als zielgebende Ordnungsmacht in Mitteleuropa etablieren.

Günstiger Zeitpunkt für Aufruf zum 1. Kreuzzug

Papst Gregor VII. hatte bereits gut 30 Jahre zuvor die Idee eines Kreuzzugs gehabt, aber erst Ende des 11. Jahrhunderts war die Zeit wirklich günstig dafür. In dieser Zeit waren weite Teile der Bevölkerung zum einen von starker Religiösität geprägt zum anderen hatte man auch Angst vo reinem drohenden Ende der Welt. Und so waren Wallfahrten und Pilgerzüge gerade zum heiligen Grab ein beliebtes Mittel der Buße und des Sündenablass. Die Möglichkeit die heiligsten christlichen Stätten zurückzueroben war ebenfalls eine starke Antriebsfeder. Dazu kam die Situation im gerade niederen Adel. Oft erbte nur der älteste Sohn, die jüngeren Söhne blieben ohne Besitz, Vermögen und Möglichkeiten. Gerade diese jüngeren Söhne hatte natürlich ein großes Interesse an neuen Ländern und deren Schätzen, gab es doch dort auch Landbesitz zu vergeben.

Erfolg Aufruf zum 1. Kreuzzug

Mit seinem Aufruf zum ersten Kreuzzug hatte Papst Urban II. teilweise Erfolg. Der französische Adel war damals zerstritten, nun hatte man mit dem Kreuzzug und dem gerechten Kampf ein gemeinsames Ziel. Zudem konnte der Papst das Papstprimat stärken und so den vom Papsttum der römisch-katholischen Kirche beanspruchten Vorrang als Führer des gesamten Christentums (auch Suprematieanspruch). Zudem ging dem Kreuzzugaufruf auch ein Aufruf zum geforderten Gottesfrieden einher. Auch dies stärkte die Autorität der Kirche. Eine Hoffnung blieb aber unerfüllt, die angestrebte Vereinigung der Ostkirche mit der römisch-katholischen wurde nicht erreicht.

Verlauf des 1. Kreuzzugs

Volkskreuzzug

Volkskreuzzug
Volkskreuzzug
Ehe sich ein organisiertes Heer auf den Weg ins Heilige Land machte, gab es erst den sog. Volkskreuzzug. Eine eher unorganisierte Volksmasse, angestachelt durch die Kreuzzugsrede von Papst Urban II. brach in Richtung Palästina auf. Dieses Kreuzfahrerheer bestand vor allem aus einfachen Menschen. Es schlossen sich Bauern mit ihren Familien an, ergänzt wurde diese Masse aber auch durch Angehörige des niedrigeren Adels und sogar einzelnen Rittern.

Dieses Heer hatte sogar einen richtigen Anführer, diese Funktion übernahm Peter von Amiens.

Trauriger Nebeneffekt dieses Volkskreuzzugs: Ehe er sich in Richtung Heiliges Land bewegte, bekämpfte man noch die Nicht-Christen in den eigenen Gefilden, die Folgen waren Massenmorde an der jüdischen Bevölkerung. Entsprechende Pogrome gab es in Ostfrankreich sowie im Rheinland (Köln, Mainz und Worms). Selbst die Chronisten dieser Zeit vermerkten in ihren Aufzeichnungen das diese Pogrome besonders grausam gewesen seien.

1096 - Volkskreuzzug scheitert
Der Volkskreuzzug zog über den Balkan und auch auf seinem Weg kam es zu Ausschreitungen und Plünderungen. Über Konstantinopel ging es weiter nach Kleinasien. Dort traf das Heer im Oktober 1096 bei Nicäa auf Truppen der Rum-Seldschuken. Das undisziplinierte Kreuzfahrerheer hatte diesen wenig entgegenzusetzen und wurde zum großen Teil vernichtet. Die wenigen Überlebenden, darunter auch der Anführer Peter von Amiens, kehrten nach Konstantinopel zurück. Dort wollte man das nachfolgende Heer erwarten.

Der richtige 1. Kreuzzug

War das unorganisierte Heer als Volkskreuzzug in die Geschichte eingegangen wird der folgende organisierte Aufbruch als der des 1. Kreuzzugs angesehen. Das ganze war deutlich besser organisiert. Das Kreuzfahrerheer war auch recht groß. Insgesamt machten sich vor allem Franzosen auf den Weg. Ergänzt wurden ihre Truppen durch französische und süditalienische Normannen, Flamen und Lothringern. Es gab gleich mehrere Anführer, allesamt Angehörige aus dem französischen und normannischen Adel, zu den Bekanntesten Anführern des 1. Kreuzzuges zählten: Robert von der Normandie, Gottfried von Bouillon, Bohemund von Tarent, Raimund IV. von Toulouse, Balduin von Boulogne, Robert von Flandern und Hugo von Vermandois. Es gab auch einen Päpstlichen Kreuzzugslegat, dieser war Adhemar de Montell, Bischof von Le Puy, eben der, der bei der Synode von Clermont als erstes vor dem Papst niedergekniet war, um das Kreuz zu nehmen.

Einen Oberbefehlshaber hatte der 1. Kreuzzug aber nicht. Und so kam es im Verlauf des ersten Kreuzzugs auch zu diversen Konflikten.

Nicht am ersten Kreuzzug teil nahmen sowohl der deutsche König Heinrich IV. als auch der französische König Philipp I. Beide waren zu dieser Zeit mit dem Kirchenbann belegt.

1097 - Kreuzzugsheer in Konstantinopel
Das erste Kreuzritterheer wählte wie der Volkskreuzzug den Weg über Land. Es waren gleich mehrere große Züge, die sich dann in Konstantinopel zu einem Heer vereinten. Die ersten Kreuzfahrer trafen dort bereits im November 1096 ein. Im April 1097 war das Heer dann komplett.

In Konstantinopel herrschte zu dieser Zeit immer noch Kaiser Alexios I. Wie beim Volkskreuzzug bemühte sich dieser das Heer möglichst umgehend über den Bosporus nach Kleinasien zu verschiffen, dort sollten die ersten eingetroffenen Heeresteile auf die Nachzügler warten. Insgesamt stand der oströmische Kaiser den Kreuzfahrern misstrauisch gegenüber. Zum Teil weil diesen süditalienische Normannen angehörten, die in den Jahren zuvor eben auch diverse Kriegszüge in das Byzantinische Reich unternommen hatten. Außerdem fürchtete Kaiser Alexios I. Um sein Reich. Der Kaiser brachte die Anführer des Kreuzzugs aber dazu, ihm den Lehnseid zu schwören. Damit sollten alle Gebiete, die in der Folge des 1. Kreuzzugs von ihnen erobert werden sollten, unter seine Oberhoheit geraten.

Größe des 1. Kreuzzugs

Es gibt nur Schätzungen darüber, wie groß das erste Kreuzfahrerheer gewesen ist. Man geht heute davon aus, dass diesem rund 7.000 Ritter und adlige Herren angehörten. Ergänzt wurde das durch ein Fußvolk bestehend aus 22.000 Mann. Dazu kamen Unbewaffnete, der sogenannte Troß. Insgesamt müssen es wohl etwa 50.000 bis 60.000 Menschen gwesen sein, dazu kamen wohl etwa 50.000 Pferde.

Zug des 1. Kreuzzugs durch Kleinasien

Nach dem das Kreuzfahrerheer 1097 dann komplett war, setzte sich das vereinte Heer der Kreuzfahrer gemeinsam in Marsch. Es ging durch Kleinasien, dort kam es schnell zu Kämpfen mit den Rum-Seldschuken. Ab Mai belagerte da Heer dann die Hauptstadt der Rum-Seldschuken, Nicäa. Allerdings kam es zu Verhandlungen zwischen den Einwohner Nicäas mit einer kleinen Abordnung der Byzantiner. Nicäa ergab sich am 19. Juni diesen, die Kreuzfahrer machten keine Beute in der Stadt.

1. Juli 1097 - Schlacht von Doryläum
Das Heer zog weiter. Am 1. Juli kam es dann zur Schlacht von Doryläum zwischen dem Kreuzfahrerheer und einem Heer der Rum-Seldschuken unter Sultan Kilidsch Arslan I. Das christliche Heer gewann die Schlacht von Doryläum. Der Weg durch Kleinasien war nun frei von Hindernissen.

Erster Kreuzfahrerstaat entsteht

Allerdings kam es nun zu Spannungen zwischen den Anführern des Kreuzzugs. Die Situation eskalierte in Kilikien. So verließ Balduin von Boulogne mit seinen Gefolgsleuten das Heer. Balduin von Bologne begag bsich nach Endessa. Und errichtete dort 1098 die Grafschaft Edessa, den ersten Kreuzfahrerstaat. Dabei bracht Balduin allerdings den Lehnseid, den er noch in Konstantinopel Kaiser Alexios geschworen hatte.

Kampf um Antiochia

Oktober 1097 - Antiochia
Ohne Balduin und dessen Getreuen zog das restliche Kreuzfahrerheer weiter in Richtung Syrien. Auf dem Weg wurden kleinasiatische Städte erobert. Im Oktober 1097 begann die Belagerung von Antiochia. Die Belagerung dauerte sieben Monate. Während dieser Zeit verhungerten auch viele Angehörige des Kreuzzugheers oder desertierten, denn die Nahrungsversorgung war mehr als unzureichend.

Im Juni 1098 fiel Antiochia durch Verrat. Alle nicht-christlichen Einwohner von Antiochia wurden umgebracht. Nun saßen aber die Kreuzfahrer in Antiochia fest, denn nur fünf Tage nach dem Fall der Stadt traf ein Entsatzheer der Emire von Mosul, Aleppo und Damaskus ein und begann die Belagerung. Nahrungsmittel gab es in Antiochia nach der vorangegangenen Belagerung nicht mehr. Die Situation war verzweifelt, aber aus der Not wurde eine Tugend gemacht und eine dreiwöchige Fastenzeit ausgerufen. Auf christlicher Seite arbeitete man außerdem noch mit anderen Mitteln zur Motivation. So wurde von Bohemund von Tarent das Gerücht um die Heilige Lanze verbreitet. Ein Mönch namens Peter Bartholomäus, so das Gerücht, solle eine Vision gehabt haben. Der heilige Andreas sei ihm erschienen und ihm den wahren Aufenthaltsort der Heiligen Lanze gezeigt. Nach dem noch ein weiterer Pfarrer von einer solchen Vision berichtete waren die Zweifel ausgeräumt. Man grub, fand eine Lanze, betrachtete diese als Heilige Lanze und der Fund motivierte die Kreuzfahrer derart, dass man sich dem muslimischen Entsatzheer zum Kampf stellte. Die Kreuzfahrer siegten und schlugen die Belagerer in die Flucht.

Bohemund von Tarent nutzte die Gelegenheit und ernannte sich zum Fürsten von Antiochia, nach der Grafschaft Edessa, bereits der zweite Kreuzfahrerstaat und wieder eine Missachtung des dem byzantinischen Kaiser Alexios geschworenen Lehnseid. Bohemund von Tarent blieb gleich in Antiochia, schließlich galt es seine Herrschaft über das Fürstentum auszubauen. Statt seiner zog sein Neffe Tankred mit den übrigen Kreuzfahrern weiter in Richtung Jerusalem.

1099 - Kannibalismus in Maarat an-Numan
Das Kreuzfahrerheer wurde außerdem noch durch Seuchen dezimiert. Die schlechte Versorgung mit Nahrung forderte weitere Opfer. Auch Adhemar de Monteil, der Bischof, der in Clermont als erstes das Kreuz genommen hatte, starb. Auf der Suche nach Nahrung kam es zu Plünderungen im Umland. Die Stadt Maarat an-Numan wurde im Dezember 1098 erobert. Hier kam es wohl auch zu Kannibalismus. Zumindest berichtete Radalf von Caen von solchen Vorkommnissen.

In Maara kochten unsere Leute die erwachsenen Heiden in Kesseln, zogen die Kinder auf Spieße und aßen sie geröstet. Radulf von Caen (normannischer Ritter und Chronist): Gesta Tancredi In Expeditione Hierosolymitana.

Allerdings war Radulf von Caen kein Augenzeuge der Taten, der normannische Ritter und Chronist kam erst 1108 ins Heilige Land, also zehn Jahre nach der Eroberung von Maarat an-Numan.

Auch in der arabischen Welt gab es Berichte über Maara und den Kannibalismus der christlichen Invasoren. Noch heute gibt es arabische Volkslieder, die von Menschenfressern berichten, mit diesen sind die Franken gemeint.

Durch Palästina

Von Antiochia aus ging es für den 1. Kreuzzug weiter durch Palästina. Da Bohemund von Tarent in Antiochia blieb und mit Adhemar de Monteil der päpstliche Vertreter gestorben war übernahm nun Raimund von Toulouse die Führung. Das restliche Kreuzfahrerheer brach am 13. Januar 1099 auf. Es soll noch aus 14.000 Kämpfern bestanden haben, 1500 von ihnen waren Ritter. Es ging Richtung Jerusalem. Dabei kam man an verschiedenen Städten vorbei, dort brachte man ihnen freiwillig Nahrungsmittel, Hauptsache die Kreuzfahrer zogen schnell durch. Im Februar 1099 wurde die Burg Arqa in der Nähe von Tripolis belagert. Allerdings musste die Belagerung am 13. Mai 1099 erfolglos abgebrochen werden. Die Kreuzfahrer wollten wohl nun endlich das näher gerückte Jerusalem erreichen. Weiter ging es entlang der Mittelmeerküste. Dabei wurden mehrere Hafenstädte, darunter auch Jaffa, unter Kontrolle gebracht. Über Ramla ging es dann ins Landesinnere.

Eroberung von Jerusalem

Anfang Juni 1099 erreichte das Kreuzfahrerheer nun endlich Jerusalem. Dieses stand seit 1098 unter der Herrschaft der ägyptischen Fatimiden.

Die Kreuzzüge führten nicht alle nach Jerusalem.
Die Kreuzzüge
Die Kreuzfahrer hatten weiterhin zu wenig Nahrung und auch zu wenig Wasser. Die Hitze machte ihnen zu schaffen, Seuchen traten auf. Das Heer wurde zunehmend demoralisiert. Die Belagerten versetzten den Belagerern dazu mit regelmäßigen Ausfällen Stiche. Dazu hatten die Fatimiden zuvor die katholischen Christen aus Jerusalem vertrieben, diese vergrößerten das Kreuzfahrerheer zusätzlich und mussten ebenfalls mit Nahrung und Wasser versorgt werden. Die gesamte Situation in der ohnehin lebensfeindlichen Umgebung wurde verschärft, da vor der Belagerung alle Brunnen vor der Stadt zugeschüttet worden waren. Außerdem hatte man alle Bäume gefällt, so fehlte Baumaterial für Belagerungsgeräte. Wasser musste in dieser Situation über weite Entfernung herangeschafft werden, die Qualität war schlecht.

In dieser Situation starben viele Kreuzfahrer und Angehörige des Heeres. Andere desertierten und wollten zurück in die Heimat.

13. Juni 1099 - Erster Angriff Jerusalem
Eile war geboten, eine Richtige Belagerung mangels entsprechender Maschinen nicht möglich. Die Anführer des Kreuzfahrerheeres entschlossen sich in dieser schon fast verzweifelten Situation zur Flucht nach vorne. Der Angriff auf Jerusalem begann am 13. Juni 1099. Ohne Hilfsmittel nur durch unermüdliches Anrennen wurde vorübergehend die nördliche Befestigungsanlage von Jerusalem erobert.

15. Juli 1099 - Jerusalem fällt
Im entfernten Samarita wurden die Kreuzfahrer auf der Suche nach Bauholz schließlich fündig. Es wurden Belagerungstürme, Rammen und Katapulte gebaut. Fünf Wochen dauerte der Kampf um Jerusalem. Es kam zu hohen Verlusten, aber am 15. Juli 1099 nahmen die Kreuzfahrer Jerusalem schließlich ein.

Die Kreuzfahrer kannten wohl keine Gnade. Christliche und muslimische Chronisten berichteten von einem grausamen Gemetzel nach der Einnahme der Stadt. Niedergemacht wurden Muslime und Juden. Und auch die noch in der Stadt verbliebene koptische und syrische Christen, die katholischen Christen waren ja zuvor von den Fatimiden vertrieben worden, wurden niedergemacht.

Königreich Jerusalem entsteht

Es wurde das Königreich Jerusalem neu errichtet. Gottfried von Bouillon ließ sich zum advocatus sancti sepulchri (Beschützer des Heiligen Grabes) ernennen und wurde Regent des neu errichteten Königreich Jerusalems. Gottfried von Bouillon übernahm die Führung und schlug in der Schlacht von Askalon ein Heer der Fatimiden. Der erste Kreuzzug war damit endgültig abgeschlossen.

Gottfried von Bouillon starb bereits 1100. Hatte er sich noch als Regent gesehen nahm sein Bruder Balduin von Boulogne bereits den Titel des Königs von Jerusalem an. Die Grafschaft Edessa ging an dessen Vetter Balduin von Bourcq.

1109 wurde an der syrischen Küste dann unter Raimund IV. von Toulouse ein weiterer Kreuzfahrerstaat errichtet, es war der vierte, die Grafschaft Tripolis.

Folgen des 1. Kreuzzugs

Konflikte und Grausamkeiten

Der Erste Kreuzzug erreichte tatsächlich sein Ziel, Jerusalem zu erobern. In der Folge wurden gleich mehrere Kreuzfahrerstaaten errichtet, allerdings kam es, wie schon während des Kreuzzugs selbst, zu Streitigkeiten zwischen diesen neuen Gebilden. Die Christen wurden uneinig, die Muslimen, deren Uneinigkeit den Erfolg des 1. Kreuzzugs zuvor begünstigt hatte, rückten enger zusammen.

Ein weiterer Konfliktherd entstand durch den wiederholten Vertrauensbruch der Anführer der Kreuzfahrer gegenüber dem byzantinischen Kaiser. Hatte man diesem in Konstantinopel noch den Lehnseid geschworen, nahm man im Heiligen Land für sich selbst Gebiete in Besitz.

Das die Kreuzfahrer grausam und mit unerbittliche Härte gegen die bisherigen Bewohner der eroberten Städte und Landstriche vorgegangen waren, prägte mit der damit verbundenen Grausamkeit die weiteren Auseinandersetzungen mit der islamischen Welt.

Nach Meinung des libanesisch-französischen Journalisten Amin Maalouf (geboren 1949 in der Nähe von Beirut) haben insbesondere die Vorfälle bei der Eroberung der Stadt Ma’arrat al-Numan (nahe Antiochia)

auch mit einem Abstand von fast tausend Jahren, ein nachhaltiges Trauma im kollektiven Gedächtnis der muslimischen Welt hinterlassen. Die Fassungslosigkeit und das Entsetzen einer hochzivilisierten Gesellschaft angesichts der barbarischen Invasoren aus dem Abendland, die auch vor kannibalistischen Exzessen nicht zurückschreckten, spiegelt sich in nahezu allen arabischen Chroniken und Berichten aus der Zeit zwischen 1096 und 1291 wider.

Handel und kulturelle Weiterentwicklung des Abendlandes

In der Folge des Ersten Kreuzzugs waren außerdem zahlreiche Küstenstädte des östlichen Mittelmeers erobert worden. Nachschub und neue Kreuzfahrer konnten so nun auch über das Mittelmeer ins Heilige Land gelangen statt über den Landweg über Konstantinopel. Der Orienthandel erlebte außerdem einen Aufschwung. Hiervon profitierten insbesondere die italienischen Hafenstädte Genua und Venedig.

Außerdem hatten die Kreuzfahrer so nun engeren Kontakt zur byzantinischen und der arabischen Welt. Es kam in der Folge zu einer kulturellen Weiterentwicklung des Abendlandes.

Der Beginn der Kreuzzüge leitete außerdem die allmähliche Herausbildung gemeinsamer ritterlicher Ideale in Westeuropa ein, die stärker als zuvor von christlichen Vorstellungen geprägt waren.

Siehe auch Zeittafel Kreuzzüge

Nächster Kreuzzug

Der nächste Kreuzzug nach dem 1. Kreuzzug war dann der Kreuzzug von 1101.
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